Bieneschwarm

Der Bienenschwarm

Oder: Wie sich Bienenvölker natürlich vermehren.

Die natürliche Vermehrungsform von Honigbienenvölkern ist die Schwarmbildung. Sprich: Ein Teil des Bienenvolkes verlässt zusammen mit der Königin ihr Heim und sucht sich ein Neues, während das verbleibende Bienenvolk im alten Stock eine neue Königin heranzieht.

Was war zuerst: der Schwarm, oder die Weißelzelle?

Zwar lässt sich der Schwarmtrieb der Bienevölker durch die Imkerin bzw. den Imker mindern, indem den Völkern immer genügend Platz in der Beute gegeben wird, doch immer kann man es dann eben doch nicht verhindern, und das ein oder andere Volk schwärmt ab. Dabei entscheiden die Arbeiterinnen und nicht etwa die Königin, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist. Wenn sie die Zeit für gekommen halten das Volk zu teilen, ziehen sie neue Königinnen heran, indem sie sogenannte Weißelnäpfchen bauen (das sind Zellen, die wie ein kleiner Napf aussehen und eher nach unten statt seitlich ausgerichtet sind), in die die Königin dann jeweils ein Ei legt. Die Junglarve in einem solchen Näpfchen wird von Anfang an mit dem sogenannten „Gelee Royal“ gefüttert: das ist ein spezielles Larvenfutter, das dazu führt, dass sich aus dieser Larve keine Arbeiterin, sondern eine Königin entwickelt. Eine solche Zelle nennt man dann „Weißelzellen“, auch „Königinnenzellen“ – hier wird also später einmal eine Jungkönigin schlüpfen. Manchmal bauen die Bienen auch aus langeweile, quasi vorsorglich solche Näpfchen, obwohl sie noch gar nicht daran denken, zu schwärmen – diese Zellen nennt man dann „Spielnäpfchen“. Meist bauen die Arbeiterinnen aus Sicherheitsgründen gleich mehrere Weißelzellen. Nur zur Info: die Arbeiterinnen können jedoch auch eine „normale“ Brutzelle zu einer Königinnenzelle umbauen – wichtig dabei ist nur, dass in der Zelle erst ein Ei, oder eine maximal 3 Tage junge Junglarve drinnen ist. Somit können sie auch noch dann eine neue Königin ziehen, wenn sie z.B. gar nicht schwärmen möchten, sondern die Altkönigin verletzt oder getötet wurde.

Nicht immer ist die Königin in der Lage zu schwärmen

Bevor das Volk schwärmt, lassen die Arbeiterinnen die Königin ein paar Tage hungern, damit sie an Gewicht verliert und so wieder flugfähig wird – vorher ist sie nämlich zu schwer dafür. Erst dann verlassen sie zusammen mit ihrer Queen die Beute – sie schwärmen! Vorraussetzung dafür, dass das Bienenvolk „erfolgreich“ schwärmen kann ist natürlich, dass der Königin vom Imker nicht zuvor die Flügel gestutzt wurden – dies ist in der Bio-Imkerei VERBOTEN, wird von den meisten konventionellen Imkern jedoch gemacht. In solchen Fällen schwärmen die Völker trotzdem, kommen jedoch nicht sehr weit: der Schwarm sitzt dann ein paar Meter vor der Beute im Gras und kann dort vom Imker wieder eingefangen werden.

Was haben Bienen mit Trauben zu tun?

Ist die Königin also wie bei uns flugfähig, setzt sie sich irgendwo in der Nähe auf einen Ast, während sich der Teil des Volkes, der mit ihr die Beute verlassen hat, um sie sammelt und eine sogenannte „Traube“ bildet. Das Schwärmen eines Volkes ist übrigens nur schwer zu übersehen, bzw. zu überhören, denn dabei geht es extrem zu am Bienenstand und ist sehr laut! Manchmal gehen später noch ein oder mehrere kleine Schwärme ab, nämlich dann, wenn mehrere Königinnen geschlüpft sind (und nicht eine die anderen Weißelzellen abgestochen hat). Diese nennt man dann auch Nachschwarm, sind jedoch meist wesentlich kleiner als der Hauptschwarm. Besonders gerne schwärmen Bienenvölker nach einer längeren Schlechtwetterperiode, aber auch während Schönwetterperioden wird geschwärmt, wenn der Platz zu wenig wird. Von der Tageszeit her bevorzugen die meisten Biene Vormittag/Mittag, zwischen 10 und 13 Uhr.

Weißelnäpfchen mit Gelee Royal und junger Bienenmade
Eine wunderschöne fertig verdeckelte Weißelzelle, auch Königinnenzelle genannt.
Ein riesiger Bienenschwarm hängt hier als Traube in einem Baum!

Die Suche nach einem neuen Heim

Erst jetzt, nachdem also die Altkönigin zusammen mit ihrem Volk als Traube herumhängt, fliegen Arbeiterinnen aus, und suchen nach einem neuen, geeigneten Heim für das Volk – quasi die Immobilienmaklerinnen des Volkes. Hat eine Biene eine interessante, mögliche neue Unterkunft gefunden, kehrt sie zurück zur Traube, und versucht andere Arbeiterinnen davon zu überzeugen, dass sie das beste neue Heim gefunden hat. Im Allgemeinen werben mehrere Arbeiterinnen für unterschiedliche Unterkünfte. Dies tun sie durch eine besondere Art des Bienentanzes auf der Traube, der den anderen Bienen beschreibt, wie weit es entfernt ist, wie groß es ist, usw. Erst, wenn sich eine Mehrheit für eine neue Wohnmöglichkeit gefunden hat, fliegt das Volk weiter – dies ist ein erstaunlich demokratischer Entscheidungsprozess! Meist dauert es zumindest 24 Stunden, manchmal auch 2 Tage, bis eine solche Entscheidung getroffen wurde, und das Bienenvolk sein neues Heim bezieht. Meist handelt es sich dabei um hohle Bäume, aber auch Hohlräume bei Gebäuden werden immer wieder gerne gewählt (siehe Fotos) – jener Hohlraum bekommt den Zuschlag, für den die meisten Bienen quasi „abgestimmt“ haben.

Der Einzug

Haben sich die Bienen auf ein neues Heim geeinigt, beginnt die Reise dorthin. Dabei bleibt die Königin aus Sicherheitsgründen immer in der Mitte des Schwarmes. Jene Bienen, die den Weg bereits kenne, fliegen oberhalb und unterhalb des Schwarmes immer vor und zurück, und geben so die Richtung an, in die sich der Schwarm bewegen muss. Und ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen: die sind ganz schön schnell! So ein Volk zu verfolgen ist wirklich, wirklich nicht ganz einfach!

Zum Abschluss eine Leseempfehlung

Ausführlich erforscht wurde dieser Prozess von Dr. Thomas Seeley in seinem Buch „Die Bienendemokratie“, das ich jedem Bieneninteressierten, der etwas für wissenschaftliche Bücher übrig hat, nur an’s Herz legen kann! Wahrscheinlich könnten wir alle noch etwas von dieser Art des Entscheidungsprozesses lernen.

 

16.5.2019, by Helene Polak

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