Das Fangen eines Bienenschwarms

Das Fangen eines Bienenschwarms

Es ist wieder soweit: die Schwarmzeit hat begonnen! Mai und Juni ist jene Zeit, in der sich Bienenvölker besonders gerne teilen und schwärmen.  Dies kann oder will man nicht immer verhindern. Aber wie fängt man so einen Schwarm?

 

Was sagt einem die Bienentraube?

Häufig geschieht dies nach einer Kalt- oder Schlechtwetterperiode. Meist schwärmen die Völker erfahrungsgemäß zwischen 10 und 13 Uhr, und meist bleibt die Bienentraube zumindest eine Nacht auf einem Ast oder in einem Strauch hängen, bevor sie in ein neues Heim einzieht – Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Ist ein Volk frisch geschwärmt, ist es im Allgemeinen sehr ruhig und friedlich. Erst, wenn der Entscheidungsprozess für ein neues Heim sich schon etwas andauert, oder aber z.B. Regen das weiterziehen verhindert, werden die Bienen hungrig (bis dahin haben sie sich von den Honigvorräten in ihrer Honigblase ernährt), und damit aggressiv. Die Aggressivität eines solchen Schwarms gibt also einen guten Hinweis, wie lange eine Traube bereits hängt – und damit, wie schnell man als ImkerIn sein muss, wenn man den Schwarm fangen möchte.

Was ich zum Schwarmfangen so verwende

Es gibt ganz unterschiedliche Methoden, einen solchen Schwarm zu fangen. Jedenfalls empfehlenswert ist ein Wasserzerstäuber, mit dem man die Traube leicht besprüht. Durch die Wassertropfen können die Bienen nicht so leicht auffliegen, und das Ganze geht ruhiger vonstatten. Außerdem schlüpfe ich beinahe immer in die volle Imkermontur. Bienenschwärme sind zwar häufig sehr friedlich, werde ich jedoch nervös, merken die Bienen das sofort und reagieren ebenso aggresiv. Der Anzug dient also meistens vor allem meiner eigenen Gelassenheit – fällt jedoch z.B. ein Teil der Traube während des Arbeitens ab, so ist es wirklich, wirklich angenehm, nicht in normaler Kleidung auf der Leiter zu stehen. 100 Bienenstiche sind nicht sehr angenehm – Tom weiß das aus eigener Erfahrung.

Ich fange meine Schwärme immer in Ablegerbeuten, und im Allgemeinen nicht in Schwarmkisten oder Ähnlichem. Meine Schwarmkisten sind etwas schmäler, als meine üblichen Beuten (es passen nur 8 statt 10 Rähmchen hinein) und haben den Vorteil, dass der Boden und die erste Zarge in einem Stück sind – mit einer normalen Beute, bei der sich Boden und Zarge voneinander lösen, wäre meine Arbeitsweise wahrscheinlich nicht möglich. Außerdem ein Tipp: Ich nehme zum Fangen von Schwärmen ausschließlich Beuten, die bereits einmal benutzt waren, also keine neuen Beuten! Stehen nur neue Beuten zur Verfügung, sollte man diese vorher zumindest mit Propolis und eventuell Zitronenmelisse einreiben. Außerdem wichtig: NIEMALS Rähmchen in die Beute geben! Die Bienen brauchen später den Platz, um sich nochmals am Deckel als Traube sammeln zu können!

Kein Schwarm ist das Leben wert!

Wie man weiter vorgeht, kommt darauf an, wie bzw. wo der sich die Traube drangehängt hat. Bitte, bitte, bitte: Versucht nur einen Schwarm einzufangen, der in annehmbarer Höhe hängt! Jedes Jahr gibt es Berichte von überengagierten Imkern, die bei gewagten Einfangaktionen von Leitern stürzen und sich dabei mehr oder weniger schwer verletzen. Bedenkt: Ein Bienenschwarm ist NIEMALS das Leben wert! Bevor ich das Risiko gehe, von einem 15m hohen Baum zu stürzen, verzichte ich lieber auf den Schwarm, wünsche ihm alles gut, und hoffe, dass er in eine meiner Schwarmbeuten einzieht (siehe Blogbeitrag „Die Schwarmbeute“).

Verschiedene Herangehensweisen

Gehen wir also davon aus, dass sich der Schwarm in einer akzeptablen Höhe befindet. In diesem Fall gibt es verschiedene Varianten, wie die Traube sitzen kann:

  1. Der Idealfall: Die Traube hängt so an einem recht dünnen Ast, dass ich diesen einfach abschneiden und mitnehmen, und in meine vorbereitete Beute  geben kann – siehe Fotot A.
  2. Er hängt etwas weiter innen, bzw. an einem zu dicken Ast. Dann halte, bzw. montiere ich die vorbereitete Beute, Schwarmkiste oder Schwarmsack darunter, und schlage möglichst fest auf den Ast, sodass die Traube in mein vorbereitetes Gefäß fällt. Falls der Ast zu dick ist, kann auch mit dem Bienenbesen nachgeholfen werden, um die Traube vom Ast zu lösen – siehe Foto B.
  3. Im ungünstigsten Fall, hat sich das Volk z.B. um einen Baumstamm oder in ähnliche Position gelegt, sodass an ein „abschlagen“ des Volkes nicht zu denken ist. In diesem Fall kommt es darauf an, wie dick der Stamm ist! Ist es ein richtiger Baum, auf dem das Volk sitzt, oder ein Jungbaum, bzw. ein dickerer Strauch?!

a. Ist der Stamm noch so dünn, dass er biegsam ist, kann versucht werden (vorsichtig!!!), diesen mittels Zurrgurten Richtung Boden zu biegen. Ist dies gelungen, muss man etwas Geduld haben und warten. Nach einiger Zeit wird das Volk eine richtige Traube bilden und kann wiederum einfach abgeschlagen werden.

b. Handelt es sich jedoch um einen richtigen Baum, ist es gut sich möglichst viel Zeit zu nehmen und sich keinen Stress zu machen. Ich versuche dann die Beute so im Baum zu montieren, dass sie so nah wie irgendwie möglich am Schwarm ist – im Idealfall berührt sie quasi den Schwarm. Außerdem wird sie relativ fix montiert, sodass ich sie nicht die ganze Zeit halten muss. Dann wird versucht, den Schwarm mittels Bienenbesen vorsichtig in die Beute zu kehren. Dabei ist wiederum der Wasserzerstäuber hilfreich, und auch den Smoker habe ich dann meistens in Betrieb. Ganz vorsichtig kann man auch versuchen, die Bienen auf die behandschuhten Hände zu streichen und so möglichst viele Bienen nach und nach in die Beute zu manövrieren. Dann gebe ich den Zwischendeckel so darauf, dass noch ein Spalt offen bleibt, und schaffe mittels eines hineingelegten Astes eine Brücke zum Stamm, bzw. zu dem Platz, an dem die restlichen Bienen sitzen. Hat man erfolgreich die Königin in die Beute bekommen, so werden schon bald die restlichen Bienen freiwillig in die Beute hinein wandern – siehe Foto C. 2018 habe ich einen eigenen Blogbeitrag zu einer solchen Schwarmfang-Aktion verfasst.

Hat man die Königin nicht erwischt, so werden bald wieder alle Bienen im Baum sitzen und sich zu einer neuen Traube formieren.

Meine Abelegerbeuten bieten nur Platz für 8 Zargen, außerdem ist das Bodenbrett mit der ersten Zarge fix verbunden.
Foto A: Der Idealfall für den Sitz einer Bienentraube.
Foto B: Die Bienentraube kann nicht abgeschlagen werden – also wird sie eben abgekehrt.
Foto C: Die Beute wurde im Baum moniert & es ist gelungen einen Teil der Bienen hinein zu streichen. Offensichtlich war auch die Königin mit dabei, denn der Rest des Schwarmes zieht von selbst ein.

Warum keine Schwarmbox?

Am liebsten arbeite ich so, dass die Traube gleich in jener Beute landet, in der der Schwarm die nächsten Wochen bis Monate bleiben kann. Ich arbeite ehrlich gesagt ungern mit extra Schwarmkisten oder gar einem Schwarmsack, da man in diesen Fällen das Volk dann nochmals umlogieren muss, was wiederum Extraarbeit, aber vor allem Extrastress für die Bienen bedeutet, und eine Extramöglichkeit bietet, dass dabei die Königin verletzt wird.

Ist die Königin drinn?

Egal, wie man die Traube in seine Beute bekommen hat: einige Bienen bleiben immer zurück und vor allem, kann man sich meist nicht ganz sicher sein, ob man eh die Königin auch erwischt hat. Aus diesem Grund lasse ich meine Beute mit geschlossenem Deckel aber offenem Einflugloch unterhalb des Baumes oder Strauches stehen, auf dem sich die Traube gesammelt hatte. Ist die Königin drinnen, werden die restlichen Bienen sich schon bald wiederum freiwillig in ihr neues Heim begeben – siehe Foto D. Ist sie nicht drinnen, wird das Volk wieder ausziehen und der ganze Spaß beginnt von vorne.

Nach dem Einfangen

In den meisten Fällen habe ich aber die Königin so wie so in meiner Beute. Dann komme ich am Abend wieder, verschließe das Flugloch und nehme das Volk mit. Natürlich gibt es die Möglichkeit, das Volk für 3 Tage in Kellerhaft zu nehmen (dann aber bitte auf ausreichende Wasserversorgung achten!). Ich bin davon jedoch nicht so ein Fan (andere würden sagen, ich bin zu faul^^). Stattdessen transportiere ich den Schwarm lieber mindestens 3km weit weg und stelle es dort direkt an dem Ort, an dem es auch für die Zukunft, zumindest jedoch für die nächsten Tage stehen bleiben kann. Hat man dies ebenfalls vor, so sollte man frühzeitig einen solchen Ausweichstandort organisieren, und nicht erst, wenn man einen Schwarm entdeckt hat. Das Verbringen des Schwarmes ist wichtig, damit die Flugbienen nicht quasi „automatisch“ wieder an ihren alten Standort zurück fliegen. Manche Imker nehmen Schwärme auch in Kellerhaft, weil sie Angst haben, dass sie sonst wieder ausziehen – mir ist so etwas jedoch noch nie passiert.

In den Tagen danach

Ausfluggitter öffnen (dafür sollte es im Idealfall bereits dunkel sein) und die Bienen für 2 Tage in Ruhe lassen. Wichtig ist, dass in der Beute keine Rähmchen sind, da sich der Schwarm auch in ihrem neuen Zuhause nochmals in Form einer Traube aufhängen möchte – siehe Foto E. Vielleicht ziehen anderen Imkern deswegen Schwärme wieder aus, weil sie dank Rähmchen keinen Platz um aufhängen gefunden haben. Außerdem achte ich aus diesem Grund auch darauf, dass ich keine neuen Beuten für meine Schwärme verwende (wie bereits erwähnt). Erst nach zwei Tagen komme ich wieder, entferne den Wildbau, hänge Rähmchen ein und – je nach Witterungslage – füttere mittels Futtertasche zu. Innerhalb der ersten Woche – also noch bevor es verdeckelte Brut gibt – behandle ich alle meine Schwärme mittels Oxalsäureverdampfung gegen die Varroamilbe. So bekomme ist gesunde, möglichst varroafreie Völker!

Schwärme fangen ist nicht ganz leicht und etwas zeitintensiv. Aber meiner Meinung nach eine der wunderbarsten Formen, um zu neuen, starken Völker zu gelangen!

Und wer einen Bienenschwarm entdeckt, und ihn nicht selbst einfangen möchte, kann immer noch einen Imker aus der Region rufen – der freut sich bestimmt!

Foto D: Die Königin ist eindeutig in der Beute, denn alle anderen Bienen haben sich am Einflugloch gesammelt und ziehen nun langsam ein.
Foto E: Über Nacht hat sich der Bienenschwarm in der leeren Beute wieder in Form einer Traube sammeln können.

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