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Die Schwarmbeute

Im Mai und Juni ist Schwarmzeit. Gerade wenn man bienenfreundlich imkert und daher nur zweimal bis maximal dreimal im Jahr die Völker bis in die unterste Zarge durcharbeitet, gelingt es nicht immer, das Schwärmen von Völkern zu verhindern. Im Blogbeitrag „Das Fangen eines Bienenschwarms“ habe ich bereits beschrieben, wie ich Schwärme im Allgemeinen einfange. Nicht immer gelingt dies jedoch: manchmal hängen die in unerreichbaren Höhen, oder man bemerkt den Abgang eines Schwarmes überhaupt erst dann, wenn man das nächste Mal in die Völker hinein sieht, und feststellt, dass in einem Volk die Hälfte der Bienen fehlt.

Warum Schwarmbeuten?

Das ist natürlich für jede Imkerin und für jeden Imker ein Verlust (auch rein wirtschaftlich betrachtet). Es tut mir dann aber auch immer im die Völker leid, denn nur selten überleben solche Schwärme den ersten Winter, spätestens im zweiten Winter hat sie im Allgemeinen die Varroamilbe dahin gerafft. Aus diesem Grund experimentieren wir seit einiger Zeit mit sogenannten „Schwarmbeuten“. Ich versuche also den entkommenen Schwärmen so ein wunderschönes, neues Heim anzubieten, dass sie freiwillig einziehen. Und eines kann ich schon verraten: Es hat schon geklappt!

Wie machen wir dies? Vorweg möchte ich sagen, dass ich die meisten Informationen einem meiner Lieblings-Bienen-Werke entnommen habe: „Die Bienendemokratie“ von Dr. Thomas Seeley. Verfeinert haben wir das ganze durch Internetrecherche und eigene Ideen.

Die Beute

Dr. Thomas Seeley hat durch wissenschaftliche Forschung herausgefunden, dass das ideale Bienenheim ein Volumen von 35-40L fassen sollte. Glücklicherweise sind unsere Ablegerkästen dafür ideal! In diese passen 8 Rähmchen, und Boden und erste Zarge sind aus einem Stück, weshalb die Montage und der Transport recht leicht sind. Ich verwende ausschließlich Anlegerkästen, die ich bereits einmal benutzt habe! Dies ist sehr wichtig, da sich Bienen stark an Gerüchen orientieren, und der Duft ihnen quasi verrät, dass dieser Platz als neues Heim geeignet ist (sonst hätte ja nicht schon einmal hier jemand drinnen gewohnt, könnte man sagen).

Das Einflugloch

Vor das normale Einflugloch montiere ich ein Stück Holz, das in verschiedenen Dimensionen durchbohrt ist – ich finde runde Öffnungen wirken natürlicher, als lange, quadratische Öffnungen, daher der Bohrungen. Seeley schreibt, dass Bienen etwa 15cm² als Einflugöffnung bevorzugen – ich habe mir die Summe der Durchmesser ehrlich gesagt noch nie ausgerechnet, aber schätzungsweise kommt es etwa hin. Da ich extra auch etwas größere Einfluglöcher mache, jedoch nicht möchte, dass sich z.B. Vögel einnisten, schlage ich große Nägel quer durch. Das Holz mit den Einfluglöchern montiere ich so, dass ich dahinter noch ein Gitter einschieben kann, um die Beute Bienendicht verschließen zu können, wenn ein Volk eingezogen ist. Das ist jedoch optional. Alternativ kann man dann davor einfach ein größeres Holz mittels eines Zurrgurtes befestigen, um die Schwarmbeute transportfertig zu machen.

Die Inneneinrichtung

Auf die Wände innen streiche ich zusätzlich noch Propolis, um den Duft zu verstärken. Entweder nimmt man dazu festes Propolis, das man mittels Flämmer schmilzt, oder alternativ tröpfelt man Propolistinktur hinein. Außerdem reibe ich die Wände und den Boden noch mit Zitronenmelisse aus meinem Garten ein – dies mache ich jedoch erst ganz am Schluss, kurz bevor ich die Beute montiere. Manchmal lasse ich sogar einige Zweige in der Beute liegen. Häufig liest man, dass dafür Zitronengrasöl verwendet wird – das mache ich jedoch nicht. Zitronengras ist bei uns nicht heimisch, ich verwende lieber einen Geruch, den die Bienen aus ihrer eigenen Umgebung quasi schon kennen.

Damit beim späteren Abtransport des eingezogenen Schwarmes (ihr merkt: ich bin optimistisch), nicht s schief geht, habe ich den Schwarmbeuten außerdem immer Abstandhalter montiert. Ganz außen gebe ich eine, maximal zwei alte, ehemalige Brutwaben hinein.

GANZ WICHTIG:

  1. Alle meine Völker sind AFB-Kontrolliert! Ich kann mir also sicher sein, dass ich mir damit nicht selbst ein Ei lege, und diese grauenhafte Brutkrankheit verbreite!
  2. Die Altwabe ist komplett ausgeputzt – sprich: es befindet sich absolut KEIN HONIG darin! Dies wäre absolut kontraproduktiv, da enthaltener Honig (oder honigfeuchte Waben) nur zu Plünderung führen würden und damit die Beute für Schwärme uninteressant machen würden.
  3. Im Idealfall wurde die Wabe bereits mehrfach bebrütete – ich verwende meist Waben, die ich ansonsten einschmelzen würde.
  4. BEACHTET LÄNDERGESETZE!!! In Deutschland ist es meines Wissens nach z.B. Illegal, Altwaben in solchen Beuten zu haben. Bzw. ist es nur dann legal, wenn die Wabe hinter einem Gitter bienendicht weggesperrt wurde.

Ansonsten kommen in die Beute nur Oberleisten hinein, auf die ich (wenn ich mir die Zeit dafür genommen habe) jeweils einen Wachsstreifen montiert habe. Wachsstreifen an einer Seite so warm machen, bis das Wachs beinahe schmilz, dann fest auf’s Holz drücken und von da an, nur noch ganz vorsichtig mit den Oberleisten umgehen, damit er nicht wieder abfällt.

Was sind die 3 wichtigsten Punkte einer Immobilie? 1. Lage – 2. Lage – 3. Lage!

Deckel drauf, fertig ist die Schwarmbeute. Die Imkerin, bzw. der Imker ist jetzt doch noch nicht fertig. Denn nun gilt es noch einen geeigneten Platz auszumachen. Ich suche dabei immer nach Plätzen, die gewisse Eigenschaften aufweisen:

  • Entlang einer Landschaftsgrenze bzw. einem markanten Punkt in der Landschaft, z.B. am Waldrand, ein alleine stehender, alter Baum.
  • Bienen bevorzugen nachgewiesener Weise Plätze mit Spannungen. Diese kann man erkennen, indem man z.B. nach Ameisenhaufen Ausschau hält, oder nach Bäumen, die besonders verdreht gewachsen sind, oder man sucht sich einfach einen Platz in er Nähe einer elektrischen Oberleitung.
  • Der Platz an dem die Schwarmbeute schlussendlich moniert wird, sollte möglichst im Schatten liegen, zumindest aber im Halbschatten.
  • Die Monatage sollte auf einer Höhe von mindestens 2,5m besser 3,5m möglich sein.
  • Man sollte die Schwarmbeute außerdem so montieren können, dass sie im Wind nicht wackelt, sie sollte also z.B. auf einem dicken Ast, nahe des Stammes festgezurrt werden können.
  • Die Ausrichtung des Fluglochs erfolgt Richtung Süden oder Südosten
  • Und damit das Ganze auf noch Praktikabel ist, solle man halbwegs zufahren können – schließlich muss man die Beute auch irgendwie dort wieder weg bekommen, wenn ein Bienenvolk eingezogen ist.

 

Und dann heißt es warten, und jede Woche, spätestens alle 2 Wochen vorbei schauen. Ob ein Volk einzogen ist, oder nicht, merkt man im Normalfall recht schnell, wenn man das Flugloch untertags einige Minuten lang beobachtet. Herrscht Flugbetrieb, ist ein Volk eingezogen – wenn es sich dabei auch nicht immer um ein Bienenvolk handelt. Einmal ist uns schon ein Hornissenvolk eingezogen! War allerdings auch toll! Denn da diese Insekten bei uns auf der Roten Liste stehen, haben wir ihnen ihr neues Zuhause einfach gelassen und unter „gute Tat für den Naturschutz“ verbucht 😉

 

5.6.2019, by Helene Polak

Unsere Schwarmbeuten erhalten runde Einfluglöcher (ähnlich eines Astlochs), die mit großen Nägeln durchstochen werden, damit keine Vögel o.Ä. einziehen können.
Neben Propolis verwende ich auch Zitronenmelisse zum Einreiben der Innenwände.
Wo ursprünglich nur eine Oberleiste mit 1cm Wachsstreifen war, ist nun eine riesige Naturwabe, die das eingezogene Volk selbstgebaut hat! Wunderschön!
Diese am Waldrand wachsende, uralte Edelkastanie bietet den perfekten Ort zum Montieren einer Schwarmbeute!
Letztes Jahr haben Hornissen eine unserer Schwarmbeuten zweckentfremdet. Macht auch nichts: ist schließlich gut für unser Ökosystem!

Einfach wunderschön! Dieses Bienenvolk ist letztes Jahr in eine unsere Schwarmbeuten eingezogen. An die Oberleisten hat sie diese wundervolle Naturwabe gebaut. Das Umsiedeln eine „normale“ Beute war daher nicht so einfach, denn natürlich haben sie die Wabe auch an den Wänden der Schwarmbeute angebaut.

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